Ein „friedlicher Drache“ im hohen Gebirge – nicht Nepomuk, aber eine für Kinder geeignete Ausstellung (jenseits der politischen Vorbildfunktion) usw... ?!


Mit einer Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Augsburg begann am 22.11.2008 eine neue Ausstellungs- und Eventreihe des Maximilianmuseums Augsburg zum Königreich Bhutan und seiner wunderschönen Textilkultur.




Eingetragen hat sich die Königin der konstitutionellen Monarchie im Rahmen einer lustigen Zeremonie, die von Veranstaltungen des englischen, weniger herumreisenden Königshauses schon dadurch abwich, dass in Augsburg die Königin Revue passierte und Bürgermeister Gribl, Direktor Dr. Trepesch et al. die Hand schüttelte, nicht etwa, wie man erwarten könnte, andersherum, die Königin selbst still neben ihrem Leibwächter und ihrer Familie stehend. Ein Fehler im Zeremoniell? Oder Ausdruck des leger-modernen Habitus der Königsfamilie? Oder selbst die neuen Stadtoberhäupter, Millionen und Konservatismus, Talarstaub etc. hin und her, noch ungeschult im Umgang mit den bewunderten Monarchien?


Umfangreiche Informationen über das urig monarcho-demokratische Königreich Bhutan (nicht Augsburg) gibt http://www.wikipedia.de/wiki/Bhutan



Die betrachtenswerte Mischung aus Singapur, England, Tibet und China – nur im Vergleich eben doch deutlich von der Geschichte einer nicht-konstitutionellen Monarchie, einer Art geschönten Diktatur eben (bis in die siebziger Jahre gab es dort Leibeigene) geprägt – stellt sich in Augsburg mit einer sympathischen Königsfamilie vor, der die Traditionskleidung sichtbar fremd ist und die man eher auf den Malediven oder zumindest in Ibiza erwarten würde (sicher sind sie ab und an in St. Moritz, schon wegen der guten Beziehungen zwischen Bhutan und den Alpenländern). Im Maximilianmuseum gibt es Stoff und Schmuck zu sehen, was eben das Monarchische so schön erscheinen lässt. Verführungsangst muss man kaum haben, denn Stofftraditionen gibt es in Augsburg ja ebenfalls, und gerade noch am Beispiel eines „Quereinsteigers“ in die Aristokratie, den Fuggern eben. Diese wiederum wurden - im Gegensatz zu den mitunter aus dem älteren Landadel stammenden „Patriziern“, die auch nach der Degradierung zum Städtischen Adel nie auf die Idee gekommen wären, Handel zu treiben - selbst als ursprünglich Bürgerliche durch rege Handelstätigkeit so reich, dass sie schließlich bei den Immatrikulationsfeiern einfach viel besser dastanden – besser betucht eben – als die veramten Beamten und Scholastiker mit ungefärbt - blauen Blut. (Mehr Anekdötchen und einen ausführlichen Bericht über die Ausstellung und das urige Bergland in der nächsten Woche). (Bis dahin und bis hier: Text und Fotos: Ulrike Ritter)

Das lassen uns die Kunstsammlungen Augsburg über die Ausstellung wissen:


Friedlicher Drache. Textilkunst aus dem Königreich Bhutan


22.11.2008-15.02.2009 Maximilianmuseum Augsburg


Die Ausstellung zeigt insbesondere die bhutanischen Landestrachten Gho und Kira und erläutert deren verschiedenen Muster und Webarten. Anhand der zudem ausgestellten Gürtel, Broschen und Kleidernadeln wird ihre Verwendung im bhutanischen Alltagsleben verdeutlicht. Zusätzlich geben persönliche Geschenke des bhutanischen Königshauses, wie beispielsweise Kronen, Thronbezüge und eine Altardecke, Einblick in das Zeremoniell am buddhistisch geprägten Königshof.


Bhutan öffnet sich erst seit wenigen Jahren für die Außenwelt. Nach der Einführung der Monarchie im Jahr 1915 wurden die religiösen Angelegenheiten in Bhutan einem Abt übertragen. Die weltlichen Angelegenheiten wurden von nun an von einem Gouverneur und Ugyen Wangchuck, dem ersten König von Bhutan (1907-1926) übernommen. Mit der Trennung von Religion und Staat begann, nach Jahrhunderten der Abschottung, Bhutans zaghafte Modernisierung und Öffnung nach außen.

Doch noch im Jahr 1952 verfügte das Land weder über Telefon noch über asphaltierte Straßen. Es gab weder Polizei, noch Armee oder Justiz und keine einzige Fabrik. 99 Prozent der Einwohner waren in der Landwirtschaft tätig, und es gab eine hohe Analphabetenrate. Heute sind Gesundheitsversorgung und Bildung für alle Bhutaner kostenlos; Telefon, Elektrizität und Landwirtschaft werden subventioniert.

Nach 100 Jahren Monarchie dankte der Vierte König, Jigme Singye Wangchuck (1972-2008), offiziell im Oktober 2008 ab und überließ den Thron seinem Sohn, dem Fünften König von Bhutan, Jigme Khesar Namgyal Wangchuck, nachdem er die konstitutionelle Monarchie eingeführt hatte.

Bhutan hielt seine ersten parlamentarischen demokratischen Wahlen im März 2008 ab.


Die Exponate der Augsburger Ausstellung zeigen, wie ein Land, das innerhalb kürzester Zeit tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen durchlaufen hat, unerschütterlich und erfolgreich an seinen Wurzeln, den kulturell hochbedeutenden Textilien, festhält.



Die bhutanische Textilkunst


Bhutan bewahrt seine Kultur seit Jahrhunderten mit Hilfe der Textilkunst, die ein Symbol der nationalen Identität des Landes geworden ist.

Das Weben spielt eine wichtige Rolle in der bhutanischen Gesellschaft und ist bis heute auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Bevölkerung, insbesondere für die Frauen auf dem Land.

Die meisten der handgewebten Landestrachten mit ihren vielfältigen Mustern sind ausschließlich in Bhutan zu finden. Die Textilien haben sich über mehrere Jahrhunderte entwickelt und reflektieren die unverwechselbare Identität des Landes. Dabei weist jede geografische Zone des Landes unterschiedliche Webstile auf, die vom jeweiligen Klima und der Verfügbarkeit von Materialien abhängig sind.

Die traditionellen Gewänder prägen noch heute das alltägliche öffentliche Leben. Sie werden von Kindern als Schuluniform und von Beamten als Arbeitskleidung getragen, sowie von der gesamten Bevölkerung zu feierlichen Anlässen.



Die buthanische Königin Foto: Kunstsammlungen


Bhutanische Damenrobe: Kira


Die Landestracht der bhutanischen Frauen besteht aus einem rechteckigen Tuch, das ca. 1,5 Meter breit und bis zu 3 Metern lang ist. Es wird um den Körper geschlungen und an der Schulter mit einer Koma (Brosche) zusammengehalten und an der Taille mit einem Kera (Gürtel) gebunden. Unter der Kira trägt man eine langärmelige Bluse und darüber eine Jacke, den Tego.




Bhutanische Herrenrobe: Gho


Der Gho besteht aus einem fast bodenlangen Jackenteil, das mittels eines gewebten Gürtels auf die gewünschte Länge gerafft werden kann. Unterhalb des Gürtels wird er beidseitig nach hinten eingeschlagen. Traditionell wurden Essutensilien und ein Messer in diesem ausladenden Beutel transportiert.


Die Länge der Herren- und Damenroben wurde einst vom sozialen Stand des Trägers vorgegeben. Einfache Bürger sollten ihre Roben so tragen, dass der Saum oberhalb des Knies liegt; Personen höheren Ranges durften ihre Knie bedecken.

Herrenroben werden größtenteils aus den gleichen Stoffen wie die der Damen gefertigt. Der Hauptunterschied liegt in den verschiedenen Mustern und Farben.




Königreich Bhutan – Land des friedlichen Donnerdrachen


Bhutan, auch Druk Yul - Land des Donnerdrachen genannt, ist ein unabhängiges Königreich im Himalaya. Im Norden grenzt Bhutan an Tibet (China), im Süden an die indischen Bundesstaaten Sikkim, Westbengalen, Assam und Arunachal Pradesh. Staatsoberhaupt ist der König. Seit 2006 regiert Kronprinz Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, der am 6. November 2008 zum 5. Drachenkönig gekrönt wird.

Bhutan ist etwa so groß wie die Schweiz und gilt als „ländlichster“ Staat der Welt. Nur sechs Prozent seiner rund 635.000 Einwohner leben in Städten. Größte Stadt ist die Hauptstadt Timphu mit 55.000 Einwohnern.

Die meisten Einwohner Bhutans leben in den 2000 bis 3000 Meter hohen Bergen des Vorderhimalaya. Südlich davon verläuft die Duar-Ebene. Die Hochgebietsregion Lunana grenzt an Tibet. Höchster Berg ist der Kula Kangri mit 7.553 Metern. Der 7.541 Meter hohe Gangkhar Puensum ist der weltweit höchste Berg, der noch nie von einem Menschen bestiegen wurde.

Natur


Rund 2/3 der Fläche Bhutans sind bewaldet. Die Naturbelassenheit des Landes in Relation zu seiner Größe ist weltweit nahezu unvergleichlich. Naturschutz wird im Königreich Bhutan über alle wirtschaftlichen Interessen gesetzt. Bereits in der Schule werden die Kinder intensiv in einen sorgsamen Umgang mit der Natur und ihrer Umwelt unterwiesen.

Kultur

Die Kultur des Landes wird durch seine Religion geprägt. Rund 70 Prozent der Einwohner des Königreichs sind Buddhisten. Zahlreiche religiöse Feste mit farbenprächtigen Tempeltänzen prägen das Leben der Einwohner Bhutans. Auch die Architektur spiegelt die tiefe Verbundenheit des Volkes mit der Religion wider. Alle Bauelemente, Farben etc. haben eine religiöse Bedeutung und sollen zum Beispiel dafür sorgen, dass böse Dämonen ferngehalten werden und die guten Geister leichten Zutritt haben.

Seit Jahrhunderten setzt Bhutan auch politisch auf die Erhaltung seiner überlieferten Kultur. Durch die abgeschiedene Gebirgslage und bewusste Politik nach außen, haben sich Jahrhunderte alte künstlerische und handwerkliche Traditionen bis heute bewahrt, darunter eine weltweit einzigartige Textilkunst.


Tourismus

Um seine Kultur zu schützen, vergibt Bhutan jährlich eine limitierte Zahl von VISA an Ausländer. Die Einreise ist grundsätzlich nur als Gast der Regierung oder als Tourist (Gruppe und Einzelreisender) möglich. Besucher müssen ihre Reise über eines der registrierten Reiseunternehmen Bhutans buchen - entweder direkt oder über die Auslandsvertretungen der Unternehmen.

Der Mindestumtausch beträgt 220,- US Dollar pro Aufenthaltstag (im Einzelfall für zusätzliche Leistungen auch höher) und gilt für Kulturreisen wie auch für Trekking-Expeditionen.

Ein- / Ausreise: Grenzübergangspunkte sind der Flughafen in Paro bei Thimphu oder bei der Anreise mit dem Auto Phuentsholing im Süden des Landes.

Flugverbindungen: Die nationale Fluglinie Druk Air fliegt folgende Länder und Städte an: Indien (Delhi, Kalkutta, Gaya), Thailand (Bangkok), Nepal (Kathmandu), Bangladesh (Dhaka).

Links:

http://www.tourism.gov.bt

http://www.bhutan-gesellschaft.de

http://www.probhutan.com


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