Comical Exhibits....

How Film and Comics are interwoven in their history, currently shown at Museum der Moderne, Salzburg.



Der Jugendliche von heute kennt Asterix und Obelix nicht und verachtet Lucky Luke. Seine Comichelden sind Varianten von Fantasyspielen und auf Print nur ein schwacher Abklatsch von der digitalen Version. Ohnehin hat er sie in der Regel selbst erfunden und setzt ihre Charaktere, ihr Styling, ihre Liebschaften und Besitztümer ständig neu zusammen.





Es ist also eine fast schon verwelkte Generation, für die Comics, die im Kino verfilmt wurden, etwas Besonderes waren. Die mit den Printversionen als Heiliger Schrein über dem Wasserrand der Badewanne groß wurden, mit den verklebten Seiten im Gepäck ihre Studentenbuden bezogen und schließlich zu anderer Literatur übergingen. Und dann, misstrauisch ob der mangelnden zeichnerischen Qualität der kinematografischen Animation, gelegentlich auch die Filmversion ansahen.


Für diese Menschen ist nun die „Kino & Comics“ Ausstellung aus Italien vom Museum der Moderne in Salzburg übernommen und in eine deutsche Präsentation umgewandelt worden. Was man dort sieht, überrascht nicht, es erfreut aber. Tim und Struppi beispielsweise sehen wir nicht im edlen Hochglanz des kostspieligen Elitecomics sondern in dem noch viel edlerem, vergilbten Papier der Originalversionen. Die Texte wurden aus urheberrechtlichen Gründen übermalt. Eine traurige Schande, für die der kleine, feine Katalog zur Ausstellung mit Szenenfotos aus der Verfilmung vonPhilippe Condroyer nur ein wenig entschädigt. Der Darsteller von Tim, Pierre Talbot, entzückt vor allem durch seine smarten Polohemden, symbolisch für die mittelständische Leserschaft, die sich mal frech, mal als wohlbehütete Elite träumt.


Auch sonst bestätigt z.B. die Zusammenstellung klassischer Power-Helden wie Batman, Spiderman, Superman, - im Katalog ergänzt durch Hulk, die zeitgeschichtliche Verwobenheit des Genres, gleich ob Film oder Druck. Das Werwolfmotiv der Verwandlung vom guten Jungen in ein furchtbares Monster wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts verwandelt zum experimentierfreudigen Wissenschaftler, der sich atomar infiziert. Noch viel weniger wohlsortierte Mutationsfantasien als man sie hier vor sich sieht, finden sich in heutigen Fantasien zur Genforschung. Doch offenbar ist deren erschreckendes Potenzial längst in interaktive Formen der Computerspiele integiert worden. Allen diesen Fantasien ist gemeinsam – wie auch ihrem klassischen Vorbild Frankensteins Monster – dass die Mutation (bei allem sonstigen Irrsinn) dem Energieerhaltungssatz zuwider läuft.


Schön wird die kleine Selektion und Erhebung in den Klassikerolymp bei dem Blick der KuratorInnen auf die Comics und Filme seit den achtziger Jahren. Hier finden wir „Sin City“ von Frank Miller, Tim Burtons „Batman“ und die Werke von Luca Raffaelli; im Katalog auch so tiefromantische Underground-Werke wie „The Crow“ (Die Krähe) von 1989 von J. O'Barr, der mit Brandon Lee verfilmt werden sollte. Der Kult-Darsteller starb während der Dreharbeiten; der Film wurde zwei Jahre später mit Vincent Perez und Iggy Pop in einer Nebenrolle fertiggestellt und brachte den Gothic-Style in die Styling-Shops.


Schön in der Ausstellung und interessant im Katalog auch die leider eher dürftigen Bemerkungen und Dokumente zu den weiblichen Kultfiguren Modesty Blaize und Barbarella. Modesty als Buch und als Comic mit Monika Vitti und Dirk Bogarde als unausweichlichem Star des englischen Films der Siebziger wird in der italienischen Ausstellung naheliegenderweise etwas unterbewertet. Wegen der überdurchschnittlichen Qualität der Verfilmung – fast ein Autorenfilm – die Modesty als Figur durchaus an James Bond heranreichen ließ – wären ein paar Hintergrundinformationen, warum daraus keine wirkliche Serie wurde, interessant gewesen. In Ian Flemings James Bond Romanen überragt das erste Buch, Casino Royal, auch deutlich den routiniert heruntergeschriebenen Rest. Nahe liegt die Vermutung, dass es die Figur des C war, die Modesty zur Vollendung fehlte und ihre Story mehr zum weiblichen Pendant des Krähenbuchs werden ließ, zu einem Underground-Roman über Persönlichkeitsentwürfe ohne den Technofanatismus der Bond-Verfilmungen.





Doch wo man Hintergrundinformationen sucht, findet man in der Ausstellung mehr Überblicksinformationen und kurze Zusammenstellungen illustrer Archivalien. Im Katalog fehlt Modesty Blaize tatsächlich komplett und ist durch Barbarella ersetzt, die ihrerseits nicht in der Ausstellung vertreten ist. Bei nur zwei weiblichen Kultstars insgesamt etwas enttäuschend.

Aber nichtsdestotrotz lädt die Ausstellung zum Herauskramen und zur Rückbesinnung auf die Blütezeiten dieses Genres und dessen Bedeutung für das eigene Leben ein, ist also dringend zu empfehlen.


Bericht und Fotos: Dr. Ulrike Ritter


Kino & Comics. Comic-Helden im Film

Ausstellung im MdM Mönchsberg

24. November 2007 – 02. März 2008

Tel. +43 662 84 22 20

info@mdmsalzburg.at

Katalog: Kino & Comics. Comic-Helden im Film

Katalog zur Ausstellung im MdM Mönchsberg

24. November 2007 – 02. März 2008

Salzburg: Museum der Moderne 2007.

ISBN 9120017850120

63 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen.