Von Newton kennt man insbesondere Aktfotografien in High Heels, die nach eher biedermeierlichen Bildern neben den typischen Loewy-Kühlschränken der fünfziger Jahre zunehmend gewollt originell mit Pistolen, Flaggen, Handschellen, Hundeleinen und Verstümmelungen ausgestattet wurden. In drei Räumen zeigt die Ausstellung im Museum für Fotografie in Berlin jetzt Arbeiten, die Newton in dem von ihm begründeten Magazin „Helmut Newton Illustrated“ zwischen 1987 bis 1995 veröffentlicht hat. Die Bilder kehren teilweise eher zu einem portraithaften Stil zurück, in dem den Modellen nicht verboten wird, einen eigenen Blick zu haben, auch wenn ihr Posing und die Umgebung fast selbstironisch die Distanzlosigkeit gegenüber Konventionen wie amerikanischer Möblierung und flachem Bauch zeigen.

Der zentrale Ausstellungsraum im Berliner Museum für Fotografie ist den beiden berühmten wie berüchtigten Werkgruppen "Tulsa" und "Teenage Lust" von Larry Clark gewidmet. Entstanden in den sechziger und siebziger Jahren zeigt Clark in drastischen Bildern das bis dahin tabuisierte Leben von jugendlichen Drogensüchtigen und deren Sex. Er gilt damit als einflussreichster Vorläufer für Fotografen wie Nan Goldin oder Richard Billingham.

Larry Clarks Fotografien passen sich am besten dem „Wanted“ Etikett an, sind strenggenommen durchzogen von dem Traum und Trauma der amerikanischen Waffenfreiheit. Pistolen werden in den Bildern wie Spielzeug verwendet oder wie Alltagsphänomene, deren bedrohlicher Aspekt nur für Momente schlagartig bewusst wird. Zum sexualisierten Symbol werden sie in den jungenhaften Bildern Larry Clarks erst durch die Kontextualisierung mit Helmut Newton.


Foto: Larry Clark


Foto: Larry Clark


Foto: Helmut Newton (Adriana Giotta)

Clarks provokanter Bildband "Tulsa" wurde 1971 in dem von Ralph Gibson gegründeten Fotobuchverlag Lustrum Press verlegt. Gibson veröffentlichte dort seit 1970 auch seine eigenen Bücher "The Somnambulist", "Déjà-vu" oder "Days at Sea". Für „Wanted“ hat das Museum für Fotografie daraus und aus späteren Projekten eine repräsentative Bildauswahl in Schwarz-Weiß und Farbe getroffen. Gibsons zeitlos-subjektive Bildwelten sind geprägt von strengen Kontrasten und ausschnitthaften Abstraktionen, er ist damit den Traditionen der frühen, experimentellen Fotografien von Man Ray und Moholy-Nagy am nächsten, wobei viele seiner Arbeiten aber inhaltlich nahezu überladen sind.







Fotos: Ralph Gibson

Beide Fotografen, die sich in der Ausstellung zu Newton gesellen, tun dem weitaus marktgängigeren Mode- und Aktfotografen so gut wie seine ebenfalls als Kunstfotografin berühmte Frau Alice Springs (eigentlich June Browne). Sieht man in dieser Ausstellung, dass Newton in seinen schlimmsten (von Alice Schwarzer auch als „faschistisch“ bezeichneten) Fotografien mehr der Verführung des Marktes blinden Auges nachgab, also eigentlich nicht als klassisches Künstler-Subjekt handelte, macht es ihn seinen Modellobjekten gewissermaßen ähnlicher und kann durchaus als Ehrenrettung taugen.

Bericht: Dr. Ulrike Ritter

© Copyright der Fotos bei den Fotografen und der Helmut Newton Foundation

Museum für Fotografie

3. Juni - 18. November 2007

Wanted: Helmut Newton, Larry Clark & Ralph Gibson

Jebensstraße 2

10623 Berlin

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Fax: +49(0)30 - 266 3255

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