Verschleierte Bildwelten

Fotografien und Installationen von Karen Irmer im H2 in Augsburg.




Eröffnung der Ausstellung von Karen Irmer (Mitte) durch den Direktor der Augsburger Kunstsammlungen und Museen Dr. Ch. Trepesch (links) und den Kurator und stellvertretenden Direktor Dr. Thomas Elsen (rechts).


Mit großformatigen Fotografien von einer Reise nach Istanbul bestückt Karen Irmer als Kunstförderpreisträgerin von 2002 zur Zeit die Kabinetträume des H2. Techniken der Fotografie, insbesondere des Umgangs mit dem Raum in der fotografischen Abbildung, stehen in den Arbeiten gleichberechtigt neben den realistischen und auch touristischen Themen: Häufig Straßenszenen, die durch ihre Mischung aus Gewaltpotenzial und Naivität auffallen: Mit ernstzunehmenden Schusswaffen wird auf Luftballons gezielt, ein freilaufender Hahn sitzt neben Hennen, die in relativ verrottete Käfige gesperrt sind; ein Arbeiter schleppt sich mit geschultertem, viel zu schwerem Gepäck an einem Videoladen vorbei.





Diese Bilder sind zweiteilig, eines quasi natürliche Farbfotografie, das andere, die gesamte Szene wie ununterbrochen fortsetzend, ist grau verschleiert. Durch dieses Spiel mit Bildidentität und Bildvariation tritt der formale Aspekt in den Vordergrund - zugleich wird das Motiv auf neue Weise zugänglich, drängt sich inhaltlich weniger auf und bietet sich mehr als Blickobjekt an.



Die Verschleierung als Motiv findet sich in Irmers Werken häufig, auch z.B. in den Fotografien von 2003 "Im Nebel" und "Die Schuldlosen", die Raumteile und Objekte von Vorhängen verhängt zeigen. Auch Prinzipien des Trompe l'oeil, des Raumdurchbruchs, der Scheinarchitektur und der räumlichen Abgeschlossenheit in Installationen und Raumfotografien werden der Aufnahmetechnik selbst an die Seite gestellt, z.B. bei einer 2004 gezeigten kleinen und subtilen Arbeit für die Neue Galerie im Höhmannhaus ("Durchgang") und in der derzeitigen Installation "Ausweg" im H2: eine Kunstharztreppe führt gegen die geschlossene Wand, das Fotoprint eines Kellerglasfensters deutet ebenfalls einen solchen Raum an, der aber, weil im Davor oder Dahinter unbestimmt, Andeutung und Kulisse bleibt.





Sehr systematisch hat Irmer zudem in den letzten Jahren an verschiedensten Motiven, häufig auf Reisen aufgenommen, das Prinzip stark nachbearbeiteter Fotografien und Fotodrucke (CCP-Prints) untersucht. Dabei verwandelt sie ihre Aufnahmen in monochrom silbrig glänzende Flächen, die in unterschiedlicher Weise das Licht reflektieren und in Abhängigkeit von solchen Reflexionen Details zu erkennen geben oder verbergen.








Diese Technik wendet sie auf Motive an, die an sich schon ornamental und kleinteilig sind, wie die berühmte Hagia Sophia oder, weniger spektakulär, auf ornamentale Polsterstoffe.





Karen Irmer, die nach einer Ausbildung zur Diplom-Kommunikationsdesignerin die Hochschule der Künste in München besuchte, findet auf diese Weise einen interessanten Weg zwischen einem rein ästhetischen Spiel mit technikspezifischen visuellen Effekten und Motiven aus der Wirklichkeit, die sich in diesen Darstellungsformen auf ganz eigene Art entfalten können.



Nächster Termin: Dienstag, 29. Januar 2008, 19.00 Uhr. Künstlergespräch im Rahmen der Reihe „Kunstförderpreisträger Augsburg“: Karen Irmer, Förderpreisträgerin 2002.


Adressinformationen:



http://www2.augsburg.de/index.php?id=1139



Bericht und Fotos: Dr. Ulrike Ritter