Auf der Suche nach dem Kick * Fotos "Model-Menu" von U.
"Joghurt",
Foto von U.
Nein, es geht nicht um Fußball. Es geht um die ultimative Mischung von Zeitschriftenlektüren, die innerhalb von ca zwei Stunden das Wochenpensum an LifeStyle Unterhaltung und Information liefert. Träume in der Nacht danach sollten ungefähr so sein, als hätte man halluzinatorische Drogen konsumiert, nur eben gesund und wirklich gut. Es beginnt mit etwas Fun. Beim Durchblättern der Männermagazine (was soll denn mein Macx lesen mit welchem Ziel....) fällt mir erst einmal auf, dass die Böckchen ihre Weibchen wirklich brauchen. Mitten in den lustigen Produktmischungen aus den Bereichen Mode, Motor, Sport mindestens vier Seiten mit knackigen Oberschenkeln und Pos von hinten. Unauffällig fotografiert, nahezu lieblos, oder mal eine aufreizende Brünette mit offenem Schenkelblick. Eben nicht pornografisch sondern etwas auffordernd und konventionell betrachtet relativ makellos. Wäre meine Alte doch so.... Also, FHM, die Fachhochschule für die Maxels, und Maxim, das Maxel-Magazin, sind mit ihrer Aufgabe der Integration noch nicht fertig geworden. Da bietet sich auf der anderen Seite des Regals (quasi von vorne) doch etwas viel Spannenderes, das die Prüfung lohnt, ob Macx es von nun an lesen muss....

"Anti-Hunger-Pille"
Foto: U.
GQ, komplett verpackt, vorderseitig Sex am Strand mit Model Alessandra Ambrosio (!) anbietend, 100 % Rebellentum, Brad Pitt, die perfekte Denim Jeans, eine Diskussion um chirugische Griffe an den Busen und ein Kurzbericht über Amy Winehouse (!), als "(unser neues Vorbild in Sachen Soul & Sex)". Amy Winehouse titelt auch tiefbusig das Cover von Yam, der Teenie-Zeitschrift, die von MTV und Viva empfohlen bzw. beworben wird und neben Amy die "neue Girlpower" als "frech, feucht und feministisch mit offenem Moulin Rouge Blick auf die feministischen Strapse verspricht. Dazu später....vergleichend? Erst einmal auf die Rückseite von GQ - eine Zeitschrift, die aussieht wie ein Mann von hinten eben aussehen muss: die 100 schönsten Autos, new, young and old Timer, darin Dita (oder ein gelungenes Double), in burlesker Pose auf beiden Vordersitzen mit weißer Pelzstola angeheftet.

"Tomate",
Foto von U.
Jetzt öffnen wir also die Plastikhülle, die dieses schöne Lustobjekt "Gentlemen's Quarterly" umhüllt....unvergleichlich edel in Gold und Rot fällt uns "The Red Carnation Hotel Collection" entgegen: London, Dorset, Geneva, Cape Town und Palm Beach....Um Trotzreaktion zu vermeiden, möglichst später wieder unauffällig dem Heft beilegen, dann an Macx weiterreichen. Jetzt zum Ernst des Lesens - wie viele Oberschenkel braucht Macx? Aber es geht mit dem Auto-Beiheft (wir sind doch reich, sieben Jaguars usw.) los und den Rebellen: Der kleine Johnny Rotten smilet uns mit komischem T-Shirt (Aufschrift "DESTROY" und als Bildmotiv ein kopfüber Gekreuzigter) von einer anti-existenzialistisch aufwändig besprühten Betonwand aus an. Also Rebellen ab 18. Dann etwas Monde Uomo und ihr Gegenteil, rote Hosen, die Busenfalten um das Schwänzchen werfen (Falten aus Stoff und auf der Außenseite natürlich). Der "echte" Busen gleich rechts daneben, gleich die Überschrift wendet sich gegen das Aufpumpen (och), "Mann" fühle sich missverstanden....hm...

"Tomatengruppe
aus Sherwood", Fotocollage U.
Dann etwas Markenwerbung, kleine Texte mit kreativen und Freizeit-Inhalten über hübsche Sängerinnen und rendige Bücher, hm... bin ich hier in einem Veranstaltungsmagazin ohne Terminkalender? Ein Kurzbericht über Oslo, EM bezogene Videospiele, seitenweise Designberichte mit Jopris Laarman Portrait, sogar Parfumproben ! Dann die Jeansberichte, endlich Oberschenkel hm.... natürlich von männlichen Models. Vater-Kind-Werbung, Schmuck für ganze Kerle, heiß. Aber wo sind wir? Die versprochene Südamerikanerin und Winehouse lassen auf sich warten. Braucht ihr uns etwas doch nicht? Sonnenbrillen und Hautcremé für Bestrahlungsbelastungen werden glatt vorgezogen. Doch dann - der Busen, einfach riesig, elend geilische Großaufnahmen im erdbeernagelnden Wetlook. Die Dessouswerbung ist immerhin so freundlich, den Busen einfach zusammenzudrücken. Dann hat natürlich jede die entsprechenden weichen Lücken und Spalten im Fleischgebirge.... und schon ist der Bericht vorbei. Glauben wir dem Autor, dass Männer so etwas gar nicht brauchen? Und die Zwischenüberschrift "Die Chirugie hat die Naturbrust abgeschafft - so sehr, dass die Normalfrau fast wie ein Freak wirkt neben dem Busenmonster". Da fehlt mir dann irgendwie die Adresse des bestechlichen Psychologen, der mir suizidale Krisen im Zustand der Unoperiertheit bescheinigt, zwecks Finanzierung der Operation.....Naturburschen, wieder Düfte, Tipps für den modernen Mann, der über Tai-Chi zu viel gelacht hat und nun nach dem sanften Workout für Kerle sucht...dann noch Trimming auf die Beziehung statt auf Pornografie, naja, die Glaubwürdigkeit lässt immer deutlicher zu wünschen übrig. Vielleicht doch von Frauen für Frauen mit Männern oder Freunden geschrieben? Dann die Rebellen mit stylischen Fotos, Amy in ganz normalen Posen, Filmberichte und schließlich - weh - weh - oh zitier griechische Tragödien voll Leid - das Model mit dem versprochenen Sex am Strand. So in etwa wie ein Neckermann Katalog, vielleicht hübschere Felsen (nicht im übertragenen Sinne des Wortes gemeint !). Und nur drei Bilder, versteckt hinter den männlichen Oberschenkeln von hinten, also alle schwul, oh Mann, oh ne, das verstärkt nur falsche Latenzen, ich weiß nicht mehr, dann noch Keith, neben den männlichen Models am Strand, also für die Alten Herren noch ein Identifier, na ja, warum nicht auch etwas schwul. Dann noch ein paar Seiten Kaufinfo, wirklich integrativ, eine Art Freundin (die Zeitschrift) for men, wie man eben seinen schwulen Freund in Lifestyle-Fragen berät. Kurzum, zu wenig Oberschenkel, etwas unglaubwürdig, aber immerhin für jeden braven Maxl geeignet. (Immer schön hübsch sein und keine wilden Scherze bitte). Vielleicht abonniere ich das....
Jetzt Zeitschriften, deren Artikel man blitzschnell (nicht irgendwann, wie GQs) lesen kann und muss. ...

Teil 2
also, ich war dann mal eingeschlafen. Um jetzt, am gemütlichen Vormittag (halte ich zur Buchproduktion frei, nachmittags sind dann Visiten) beim Brunchen von Magersuchtstabletten mit einem Hauch Müslijoghurt, nochmal neu nach Lesbarem zu suchen. Und da rutscht mir doch wieder GQ in die Hände. Und Yam, die Musik orientierte Teenie-Zeitschrift. Ich vergleiche die Amy Berichte: Yams Amy mit schrecklichen Reality-Aufnahmen und auch sonst sehr rotzigen Fotos, schrecklich geschrieben (die Frau ist total abgedreht, ey - wäre es verbal), aber eine ordentliche Kurzbio am Seitenrand, wo man Geburtsdatum, Albennamen, Freunde und Termine nochmal nachlesen kann. Also ok. Aber GQ dagegen: Echt schön ! Der Bericht ist wunderbar sanftmütig räsonierend, Autorin Anja Rützel und Terry Richardson glamourisieren Amy überzeugend, zudem gelingt es, Rützels These, Amy sei so erfolgreich, weil sie nicht "labradorisiert" sei und alle beschäftige zu beweisen. Also irgendwie wirklich analytisch auf hohem Niveau. Hintergrundinfos und gekennzeichnete Gerüchte, die "Trotzdem!" und "RebellIn!" - Romantik mit echten Zahnlücken und überzeugender Magersuchtfigur kombiniert, süß und verwendbar. Zumal Amys Klamotten von Richardsons Session in den arbeitsrechtlich so unkoscheren, aber superbilligen dörflichen Shops zu haben sind, Preis so in etwa ein Euro. Also einfach auf Biotattoos statt T-Shirt und billige Accessoires umsteigen, und weiterhungern natürlich.
Und noch ein bisschen in GQ lesen...was am Vorabend noch als einfache Naturburschenstory abgetan wurde - trotz anspielungsreicher Überschrift von polierten Ästen etc - entpuppt sich jetzt als echte pornografische Shortstory. So was schreibe und lese ich eigentlich auch ganz gern....einmal aus weiblicher, einmal aus männlicher Perspektive, pure sex, einfach geil. Obwohl wir natürlich jetzt mal in die Yam schnuppern müssen, Fazit ist, GQ ist für jederfram lesbar, soll Macx das dann ruhig abonnieren, ich les das Ding.

"9 Monate Joghurt", Foto von U.
Gegen die Magersucht - bzw. ein weiteres Argument dafür, die weibliche Repräsentantin der deutschen Comedy-Stars in Yam!, "Cindy aus Marzahn". Sie ist wirklich ultrafett, die Scherze bestialisch flach, mit fettem Foto in Yam! ungefähr so, als hätte man ein Backblech im 50:50 Verhältnis mit Öl und Kartoffelbrei gefüllt, um einen Pommes-Tortenboden für fünf Gläser Erdbeermarmelade als Belegung der Tarte zu backen. "Alzheimer Bulimie"? Absolut glaubwürdig.
Naja, wir erkennen, dass wir mehr der Dieter Nuhr Typ sind, der uns über diese Doppelseite hilft. Weiter zu den neuen Feministinnen, die Frosch guckt Unterhosen Bitch Lady Bitch Ray, Rapperin, 27, ihr Po zwischen "Bitch und "Fotze", deren erstes Album "Aufklärung" schon mal angekündigt wird - die "Nur Sex" - Version von Nina Hagen? Mit im Artikel: Sex theoretisch von Charlotte Roche, ihr Buch "Feuchtgebiete", vielleicht ganz geil, möglichst nicht in Bayern ausprobieren, auch wenn es eigentlich wohl um Familienzusammenführung geht. Dann Meredith Haaf, Susanne Klingner, Barbara Streidl mit ihrem Buch "Alpha-Mädchen", das geschrieben wurde, weil die Autorinnen junge Frauen missrepräsentiert sehen, als politisch uninteressiert und gefügig dargestellt . Dieses Bild soll das Buch korrigieren. Gut so, werde ich mir auf jeden Fall kaufen (oder irgendwo ausleihen?). Tiefschürfende Analysen zu diesem Buch gibt es in Yam! natürlich nicht, wir haben ja im Komikerinnenreprot gesehen, wohin zuviel Marmelade führt. Also nur kurz angedippt, ein Produktinformatiönchen eben. (Warum sind wir so doof? Weil niemand feministisch denken darf, das große I überall kleingeschrieben wird, keine noch so beschissene Partei Frauen anders als soziale Bittstellerinnen repräsententiert, Universitäten und Justizbehörden nur Alibimaschinen oder erklärte Antifeministinnen an der Wasseroberfläche durchatmen lassen etc.. Mit einem Buch kann den toten Fischen oder Batteriehühnern keineR aus dem falschen Leben helfen, um es mit Adorno zu sagen.)
Weil die Bitch so verfemt ist, wenn sie mal kurz nicht an Sex denkt, versuchen Elisabeth Raether und Jana Hensel, so lesen wir in Yam!, es mal ganz unideologisch. Wir erzählen dann einfach mal, wie toll WIR sind. Okay. Also in etwa wie hier, man muss nur geschwätzig genug sein, dann wird man schon irgendwie Kult. (Warum immer nur singen und herumtanzen? Schwätzt!) Wie "Neue deutsche Mädchen" einzuschätzen ist, lässt Yam! natürlich offen, zuwenig Platz im Produktschächtelchen, schade, denn das könnte auch dumpfbröselnder Käse sein, eben einfach ein Klatsch- und Kummerkasten wie aus Frauenzeitschriften. Hm....Zuwenig INformation also, gebiert Vorurteile. Aber egal, wenn fram es umsonst irgendwo findet, einfach mal reinschnuppern. Und geil in und an Yam! : Lady Bitch Rays Hauptschul-Kult-Feminismus und die betuliche Intellektualität von Haaf, Klinger, Streidl, Raether und Hensel, gut verkuppelt mit "Feuchtgebiete" und in Yam! so durcheinandergewürfelt wie ein Muschelsalat mit Orangen und Friséeblättern etc. Cool. Während GQ ein bisschen öde in der Angestelltenästhetik homogenisiert, will Yam! offenbar auch die Abiturientin 2009 anbaggern, oder vielleicht sogar den weiblichen Studi in Nöten (versuch's doch besser so... und dann ab zum Casting).

"Die Geburt der Anti-Hunger-Pille", Foto von U.
Jetzt aber weiterblättern zu einem besonderen Thema. Kunst statt Gunst. Unbestritten bleibt, das beides voneinander abhängt, was trotz der mitunter miesen Alkoholika auf den Kunstparties verarmeter Galeristen und öffentlicher Museen spätestens nach den zwei Manhatten danach deutlich wird, jede andere Theorie überartikuliert.
Ohnehin viel cooles Design bei GQ, dann auch Kunst: Olafur Eliasson und Mitra Tabrizian. Zwei Berichte im Inhaltsverzeichnis, insgesamt zwei Seiten. Hm, Kunst als neuer Mini zwischen Werbefotografie, Design und Comics. Ein Kurzbericht ist es dann auch von der Berliner Galeristin Caprice Horn, die Mitra Tabrizians Fotografien empfiehlt. Preise bis zu 7.000 Euro (schick), die Fotoarbeiten "streng inszenierte Bildwelten [... ] auf eine zunehmend psychopathische Welt", u.a. die Kunstszene selbst. Keine Abbildung, schade, denn diese Beschreibung trifft sicher auf viele Bilder zu, in der Kunstszene schräge Menschen und Situationen vorzufinden, ist wohl mit eines der geringsten Probleme. Aber na ja, vielleicht guckt sich irgendein Kurator das mal näher an...
Darunter
Olafur Eliasson mit einem BMW-Rennwagen aus Eis, reflektiert unsere
"Mobile Expectations" (ach - ich erwarte also, dass ein
Auto nicht nur "cool" und mit Kuscheldecken bedeckt ist
sonden auch fährt - oder erwarte ich es nicht von einem
geschützten Objekt? ). Okay, die Kunstabteilung von GQ arbeitet
noch daran, sehr kompromiss-orientiert (immerhin wissen die Leser
vielleicht, was das Wort bedeutet), man weicht einfach von der
normalen Werbefotografie minimal ab oder redet nur darüber,
Gucken geht dann erst "vor Ort". Hm... nix Dolles, eher
eine Marketing-Lektion. Ist GQ also doch nicht so richtig schwul ?
Und ganz normale Heteros machen sich nichts mehr daraus, dass sie
offensichtlich nur gut aussehen, die besten Jeans tragen und am
besten riechen wollen? Seufz. Zu schön.
Also,
etwas higher, please. Vanity Fair und Park Avenue. Society und
Culture Clubbing, mit Sicherheit irgendwo auch schönes
Kunstmobiliar.... Aber ach. NEIN! Die Society flieht die Kunst. Kein
einziger Bericht, keine einzige Anmerkung, kein einziges
GaleristInnen , KuratorInnen oder KünstlerInnengesicht auf einer
Party? Nicht in Vanity Fair, die dann auch noch mit der peinlichen
Rama Werbung "Du bist Deutschland", einer Anti-Abtreibungs-
und Gebär-Kampagne, die Schultern schließt. Selbst der
Bericht über Österreich als EM-Austragung(!)sort kommt
komplett ohne einen einzigen Hinweis auf die Museen und Galerien aus.
Nur Shopping_Stations und Friseursalons, nur bezahlte reaktionelle
Werbung? Sehr enttäuschend. Ohnehin ahnten wir es gleich und
haben noch bei Park Avenue zugeschlagen. Denn dort fand man schon
beim Durchblättern einen goolischen Partybericht:
London, Paul Simonon von The Clash in der Galerie Thomas Williams Fine Art , im Hintergrund hypercolorierte Schinken von Stierkampfszenen, davor die witzig schrille Society Londons.
Sehr
hipp. Aber dann bleibt doch der Kunstanteil arg reduziert...ein paar
Apercues in Gillmanns Gesammelten Gedanken, ein einfacher, trockener
Witz über Yves Klein's "Untitled blue monochrome" und
Gillmanns "Das Gleiche in Grün". Der Witz ist
natürlich fade, weil nur in der schlechten Fotografie
zutreffend. Das verharrt alles im Rahmen dessen, was vor Jahren auf
deutschen Theatern als "Kunst" diskutiert wurde. Noch ein
paar Offenbarungen über Julian Schnabels Eheglück, das
damit zu tun haben soll, dass die Frau ein Geschäft für
Bettwäsche betreibt und er ebendort bzw. im Pyjama vorzugsweise
den Tag verbringt. Eine kleines Foto mit ein paar Worten zu Daniel
Birnbaum als neuem Direktor der Biennale von Venedig, also Kunst im
Bereich Unsinniges und "Short Cut". Ein Trauerspiel. Aber
egal, wir rezensieren dann eben demnächst auch mal
Kunstzeitschriften. Wehe, wir finden dort keinen Lifestyle....park
Avenue, sonst, auch nicht schlecht für die gehobene Tussi mit
Semestern, Hang zu Selbstständigkeit und Vermögen. Ferres
zum Beispiel, wird kritisch lobend vorgeführt, Swinton, die
schönen Hamburgerinnen, erfolgreiche Berufstätige
natürlich.
Sehr
schön auch das Reisetagebuch von Birgit Lahann, Fotos von Ute
Mahler, über Rom, eingehüllt und eingelullt in die
Literatur der deutschen Klassik, Romantik und Moderne. Besuch der
Villa Massimo, der vatikanischen Museen, des Pantheon, und was Goethe
daran interessiert hat. Sehr kursorisch, oberflächlich, lustlos?
Wir trauen Lahann dann einmal zu, dass sie für sich persönlich
mehr in den problematischen Gemütern Nietzsches und den
gutgelaunten Notizen Freuds blättern würde als das
Sightseeing-Programm noch mit der Bemerkung anzureichern, dass Goethe
sich das auch alles angesehen hat. Na dann... Also, kultiviert ja,
aber nicht tiefer schürfend, Name-Dropping reicht eigentlich,
schöne Bilder und der einladende Charakter darf nicht verloren
gehen, keine Exzentrik bitte, außer.. man ist so reich, dass
man lieber schnell stirbt um es wohltätigen Institutionen zu
vererben. Der Bericht über die Züricher Milliardärskinder
regt zumindest genau dazu an. Einfach "prassen, bis der Notarzt
kommt".
Das mache ich jetzt einfach mal, wenn noch ein paar Worte zu der süßen Zeitschrift INDIE geschrieben sind: Die deutsche Ausgabe hat etwas Monumentales - riesige Doppelseiten mit Klamottenwerbung der ohnehin schon hippen Firmen, süße Mädels mit Buben, also deutlich für männliche und weibliche LeserInnen. Dann schöne Artikel mit ebenfalls überseitengroßen, romantischen Beautyfotografien, z. B. "The Copenhagen Experience", in Anlehnung an den "Fashion-Zeitgeist-Film" von Mads Norgaard. In dem Bericht mit Interviewelementen geht es dann auch vor allem darum, wann man wo welche Marken sieht, welche Punkmusik man hört, mit welcher Geschichte usw. Zeitschrift und Stil sind quasi wie Vivienne Westwood, die den Sex Pistols, immerhin auch eine siegreiche Casting-Gruppe, also eben nicht einfach so aus der Gosse eigenhändig hochgespült sondern von den Londoner Vanguards der Musikszene säuberlich vorsortiert. Westwood, mittlerweile Standard der High Society, kann sich, wie der Zeitgeist-Film, ganz selbstverständlich unter gestreamten Marken tummeln. Was GQ und Yam! schon verdeutlichen, die komplette Durchmischung von Labrador, Golden Retriever, Straßenköter, Hund-Katzen-Mischung, Chihuahua und Piranha ist absolut trendy. Indie hat dabei sicher die hippsten Tipps, wenn auch, leider, die wenigsten. Denn die Cinematografie im Heft ist zwar nett, aber großformatig sind Zeitschriftenfotografien eigentlich dann doch nie, d.h., die Zeitschrift taugt als Dekostück, z.B. für eigene Sexfotos im Bett oder in der Badewanne, wo man Indie dann einfach drapiert. Aber sonst wäre etwas mehr Inhalt besser, zumal auch die Designer-Tipps fast einen Kick zu normal sind, Sachen für Männer vor allem, die man dann nicht mal im Internet bestellen kann. Exemplarisch: "pretty vacant" mit Fotos von Irina Gavrich und Styling von Teresa Rotschopf. Die absolut stylischen Plateaus in diesen echt süßen, punk-reminiszierenden Fotos sind angeblich von Petar Petrov, was wir im internet gleich nachgeschlagen haben. Stimmt, aber für die Schuhe müssen wir nach Mailand oder Paris fahren, im Webshop gibt es nur die aktuellen Modelle und Männermode satt, Buggies für alle Styles und Größen. Macx kann sich also knuddeln, unsereins bleibt auf die Nuttenshops bei Ebay angewiesen, wenn die Schuhe < 350 Euro und witzig geheelt sein sollen. In diesen Shops allersdings gibt es die geilsten Markenklaus zu entdecken, oder eben, legale "Varianten".

Also dann, der Bericht ist fertig (zu Indie noch, dass man das natürlich schon lesen sollte, weil auch die Musik- und Filmtipps eben hipp sind und die Fotos zwar nicht im DinA1 Format daherkommen, aber doch sehr schön sind, goolisch.)
Kompletter Bericht mit Fotos von Dr. U. für herzerl.
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